Nachhaltiger Hausbau in Zeiten des Klimawandels

Das Schicksal lässt sich nicht abwenden – aber man soll es auch nicht herausfordern. Der Klimawandel in der Schweiz und die dadurch verstärkten Unwetter bergen Risiken – auch für den Hausbau und das Wohneigentum. Mit Umsicht und einer bedachten Wahl von baulichen Massnahmen lässt sich das Risiko von Schäden, Unfällen und Notlagen aufgrund des Klimawandels reduzieren. Das Haus wird dadurch nachhaltiger.

Neubau im Grünen.
Wenn der Bauplatz von Bäumen oder hohen Häusern umringt ist, versprechen diese unter Umständen an heissen Sommertagen willkommenen Schatten.
Alle in der Schweiz spüren, dass sich das Klima in den vergangenen Jahren verändert hat. Der Klimawandel führt hierzulande allgemein zu höheren Temperaturen. Ausserdem gibt es deutliche Anzeichen, dass sich der ganze Wasserhaushalt der Erde verändert: Es regnet seltener, dafür heftiger. Für den nachhaltigen Hausbau in der Schweiz ergeben sich dadurch zahlreiche Herausforderungen. Diese sind nicht neu, aber sie haben sich akzentuiert. Sie fordern eine höhere Aufmerksamkeit ein, will man das Risiko von Schäden, Unfällen und Notlagen aufgrund des Klimawandels reduzieren. Dies beinhaltet das naturgefahrengerechte Bauen, die in der Norm SIA 261 und SIA 261/1 abgebildet ist.

Berücksichtigung der Klimaerwärmung bei Standortwahl

Der nachhaltige Hausbau unter den Aspekten der Klimaerwärmung muss dem Standort besondere Aufmerksamkeit schenken. Ziel ist es weiterhin, einen angenehmen, sicheren Aufenthalt in den Innenräumen sicherzustellen, mit einem guten Klima und einer Architektur, welche die Gefahr von Schäden möglichst geringhält. Bei der Standortevaluation ist die Einhaltung der Norm SIA 261 und SIA 261/1 empfehlenswert. Die Wissenschaft versucht, die möglichen Enwicklungen beim Klimawandel abzubilden und bauliche Hinweise zu geben.

Eine Analyse verdienen auch die bestehenden Wind- und Schattenverhältnisse sowie die Beschaffenheit der Oberflächen und der Begrünung. Wenn der Bauplatz von Bäumen oder hohen Häusern umringt ist, versprechen diese unter Umständen an heissen Sommertagen willkommenen Schatten. Gibt es in der Nachbarschaft grosse, exponierte Asphaltflächen oder «nackte», also unbegrünte Fassaden, welche Wärme abstrahlen, könnte dies die Atmosphäre im Sommer stark aufheizen. Es lohnt sich auch eine Nachfrage zu den Windverhältnissen. Denn Luftströmungen können im Sommer angenehm kühlen. Das Bundesamt für Umwelt vermittelt mit seinem Windatlas Anhaltspunkte. Grössere Städte wie Zürich haben detaillierte Karten, welche über die Luftströmungen zu verschiedenen Tageszeiten Auskunft geben.

Nachhaltiger Hausbau nutzt den Standort

Ist der Standort gewählt, sollte ein nachhaltiger Hausbau mit seiner Architektur die Standortqualitäten nutzen und so auf die Herausforderungen der Klimaerwärmung in der Schweiz reagieren. Sind die vorherrschenden Luftströmungen bekannt, empfiehlt es sich, durch die Anordnung und die «aerodynamische» Ausformung des Hauses die Möglichkeit einer guten natürlichen Durchlüftung zu schaffen. Diese sollte auch eine Nachtauskühlung zulassen, die Witterungsschäden oder den erleichterten Zugang von Unbefugten vermeidet. Nach einer gründlichen Nachtauskühlung können geschlossene, gut isolierende Fenster und Läden über den Tag die grösste Hitze aus den Innenräumen fernhalten.

Auch bei der Frage, ob und wie eine Liegenschaft unterkellert werden soll, ist es sinnvoll, den Klimawandel in die Überlegungen mit einzubeziehen. In Kellerräumen ist es in der heissen Jahreszeit kühler als in den oberirdischen Geschossen, an Hitzetagen kann das Untergeschoss unter Umständen in einen temporären Aufenthaltsraum verwandelt werden, wie es traditionell in bestimmten heissen Weltregionen, etwa Indien, der Fall ist.

Hochwasserschutz im Klimawandel

Neben der Hitze gehört die Wasserknappheit und Unwetter mit Starkregen zu den Hauptsorgen, welche wegen des Klimawandels in der Schweiz die Bevölkerung umtreiben. Massnahmen gegen diese Ereignisse müssen meistens auf kommunaler oder überkommunaler Ebene koordiniert geplant und umgesetzt werden. Bei Trockenheit besteht als Alternative zur Versorgung über das Leitungsnetz meistens nur die Variante eines Wasserbeckens. In der Regel ist dieses bewilligungspflichtig, es ist ratsam, sich bei der zuständigen Behörde zu erkundigen. Ansonsten bleibt als Alternative das Anlegen eines Notvorrats an Leitungs- respektive Trinkwasser in Flaschen und Kanistern.

Für Gebiete, die von Hochwasser bedroht sind, gibt es kantonale Gefahrenkarten. Dazu zeigt die Gefährdungskarte zum Oberflächenabfluss die überschwemmten Gebiete nach einem Starkregen – und das für die ganze Schweiz. Sie ist unter: www. map.geo.admin.ch und der Suche ‘Oberflächenabfluss’ einsehbar.

Die Gewässerbewirtschaftung und Schutzbauten sollten Schäden und die Gefährdung von Bewohnenden auf ein Minimum beschränken. Obwohl dies öffentliche Aufgaben sind, schadet es nicht, sich in ausgewiesenen Gefährdungslagen Gedanken über temporäre Schutzmassnahmen im Falle eines Hochwassers zu machen. Wir empfehlen Ihnen mit Ihrer Kantonalen Gebäudeversicherung Kontakt aufzunehmen – möglicherweise unterstützen diese Gebäudeschutzmassnahmen und deren Planung finanziell. Ansonsten können  Sandsäcke oder aufblasbare Barrieren, Rückzugsräume, im Extremfall Evakuationen helfen. 

Häufige Fragen

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