Nützlinge und Tiere im Garten

Bienenhaltung und Imkern im eigenen Garten

Als Bestäuber sind Bienen in erheblichem Masse für den Erhalt und die Fortpflanzung der Pflanzenwelt verantwortlich. Angesichts eines immer kleineren Lebensraums ist es zu begrüssen, dass sich immer mehr Menschen für die Bienenhaltung interessieren und in ihren eigenen Gärten zu Hobby-Imkern werden. Wir sagen Ihnen, auf was Sie dabei achten sollten.

Honigbienen und Wildbienen sind wichtig für unser Ökosystem.

(pg) Nur wenig geht über ein mit Bienenhonig bestrichenes Stück Brot. Doch seit der Begriff «Bienensterben» Schlagzeilen macht, ist uns bewusst, dass diese Leckerei dereinst keine Selbstverständlichkeit mehr sein könnte.

Die Gründe für das Bienensterben

Das seit der Jahrtausendwende zu beobachtende Bienensterben hat verschiedene Ursachen. Dazu gehören

  • Die intensive Landwirtschaft mit zunehmenden Monokulturen und dem Einsatz von Pestiziden.
  • Parasiten, wobei hier die Varroamilbe im Fokus steht. Sie kommt ursprünglich aus Asien, klammert sich sowohl an Bienenlarven als auch an Honigbienen, ernährt sich von deren Körperflüssigkeit und infiziert sie mit Krankheiten.
  • Der Klimawandel mit längeren Wärmeperioden im Winter oder starken Temperaturschwankungen macht Bienen noch anfälliger auf die Varroamilbe.
  • Der Mangel an Nistplätzen.

Die Bedeutung der Bienen für unser Ökosystem

Es gibt über das selbstgemachte Honigbrot hinaus viele gute Gründe, dass immer mehr Privatpersonen versuchen, mit eigenen Bienenstöcken der Bienenpopulation zu Hilfe zu kommen.  Denn für unser Ökosystem ist die Bedeutung von Honig- und Wildbienen essentiell. Als Bestäuber sind sie in erheblichem Masse für den Erhalt und die Fortpflanzung der Pflanzenwelt verantwortlich. Man schätzt, dass etwa 80% der hiesigen Nutz- und Wildpflanzen, vor allem der Pflanzen- und Obstbau auf die Honigbiene angewiesen sind, wenn es um die Verteilung von Blütenstaub geht.

Albert Einstein soll dazu einst gesagt haben: «Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben. Keine Bienen mehr, keine Bestäubung mehr, keine Pflanzen mehr, keine Tiere mehr, keine Menschen mehr.»

Um den Bienen zu Hilfe zu kommen, legen deshalb heute viele Menschen ihren Garten Wildbienen-freundlich an, andere steigen in die Imkerei ein und halten eigene Bienen in ihrem Garten.

Bienenzucht will gelernt sein

Dabei ist es sinnvoll, sich zuerst alles Wissenswerte über die Bienenhaltung und die Imkerei anzueignen. Empfehlenswert ist auf jeden Fall eine Einführung durch einen ortsansässigen Imker oder einen Imkerverein, von wo Sie im Idealfall auch gleich die ersten Völker beziehen. BienenSchweiz , der Imkerverband der deutschen und rätoromanischen Schweiz, bietet in seinen lokalen Sektionen auch einen Grundkurs für Neuimker an, der 18 Halbtage, verteilt auf zwei Jahre, umfasst. Wissen durch Informationen aus Büchern und aus dem Internet als Ergänzung schaden auf keinen Fall.

Imkerei - ein Hobby braucht Zeit

Überlegen Sie, wieviel Zeit Sie ins neue oHhHHobby investieren können. BienenSchweiz berechnet bei sechs Völkern inkl. des Grundkurses für das erste Jahr einen Stundenaufwand von ca. 200 Stunden, wobei der grösste Teil davon auf die Monate April bis August fällt. Zu den wichtigsten Aufgaben gehören:

  • Wintermonate: Beobachtungen, Reinigungsarbeiten und Vorbereitung für den Frühling (Materialbeschaffung, Rahmen drahten, Waben vorbereiten etc.). Kampf gegen Varroamilbe bei möglichst tiefen Temperaturen. Ausserdem ist der Winter die Zeit für die Weiterbildung und um Neues über die Bienenforschung zu lernen.
  • März: Prüfung der Bienenvölker, Reinigung des Bodenbretts der Bienenstöcke, Beurteilung der Königinnensituation (Weiselrichtigkeit).
  • April: Aufbau der Völker und verstärkter Kampf gegen die Bildung und Vermehrung der Varroamilbe.
  • Mai/Juni/Juli: Weiterer Aufbau der Bienenvölker, Bildung von Jungvölkern und Schleudern des Nektarhonigs sowie später immer Sommer des Honigtauhonigs. Förderung der Bildung von Bienenharz als Schutz vor Bakterien, Pilzen und Milben.
  •  August/September: Erneute Beurteilung der Königinnensituation, Königinnen-losen Völkern können neue Königinnen zugesetzt werden, Prüfung der Futtervorräte.
  • Oktober bis zu den Wintermonaten: Herbstrevision, Überprüfung der Futtermengen, Vorbereitungsarbeiten für den Winter. Bekämpfung der noch verbliebenen Varroamilben.

Bienenhäuser und Bienenkästen

Wenn Sie bei sich zu Hause Bienen halten wollen, empfehlen wir Ihnen folgendes Vorgehen:

  • Schauen Sie zuerst, ob Sie wirklich genug Platz haben. Angebracht ist eine Mindestgrösse des Gartens von 200 m2, damit die Bienen sich nicht gestört fühlen - resp. sich Mensch und Biene nicht ins Gehege kommen.
  • Informieren Sie die Nachbarn über Ihre Pläne. Es existieren keine baurechtlichen Vorgaben, aber es darf durch die Bienenhaltung keine übermässige Beeinträchtigung für die Nachbarschaft entstehen.

Spricht alles für die Bienenhaltung, dann müssen Sie den Insekten auch ein Zuhause bieten. Bienenhäuser oder Bienenkästen - Profis sprechen von Bienenbeuten - können als Fertigbau erworben werden. Im Internet sind interessante Bausätze erhältlich, aber selbstverständlich können Sie mit ausreichend handwerklichem Geschick auch selber ein Bienenhaus bauen.

Der Standort sollte sich dabei idealerweise etwa zu 50% im Schatten und zu 50% an der Sonne befinden. Ist die «Unterkunft» bereit und es ist idealweise Frühsommer, dann können die summenden Gäste einziehen.

Die passende Ausrüstung für Bienenhalter

Bevor man sich an die Bienen heranwagt, benötigt man die passende Ausrüstung. Dazu gehören:

  • Imkeroverall
  • Imkerhandschuhe
  • Imkerhut mit Schleier
  • Stockmeissl
  • Rauchmaschine
  • Abkehrbesen

Bienenhaltung ohne Honigernte

Die natürlichste Variante der Bienenhaltung ist übrigens viel weniger aufwändig. Man baut den Bienen eine einer Baumhöhle nachempfundene Behausung, lässt sie ausschwärmen und verzichtet auf die Ernte des Honigs. Dieser ist ja eigentlich die Nahrung der Biene, enthält Vitamine, Proteine, Aminosäure und Mineralstoffe und wirkt antibakteriell und antimykotisch.

In diese Richtung zielen auch einfache Möglichkeiten der Bienenhaltung wie BienenBox oder BeeHome , die ebenso für Menschen in der Stadt ein Thema sein können, naturnah sind und sich gerade für Einsteiger gut eignen.

Und wer den Bienen nur Gutes tun, selber aber nichts mit ihnen zu tun haben will, kann bei Rentabee.ch für 220.- im Jahr eine Bienenpatenschaft übernehmen. Das Bienenvolk bei einem erfahrenen Imker erhält Ihren Namen - und Sie nach der Ernte 3 Kilo Honig vom «eigenen» Bienenvolk.

 
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