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Bäume vor Hitze schützen

Herrscht über längere Zeit grosse Hitze, können auch Bäume einen «Sonnenbrand» bekommen. Dadurch können Schäden an Rinde und Stämmen entstehen. Mit einem speziellen Schutzanstrich, lässt sich dieses Risiko verringern.

Baumweissen
Das sogenannte «Baumweissen» mit einem Kalkanstrich kann Schäden durch Hitze vorbeugen.

Im Juli 2017 untersuchte der unabhängige Baumexperte Matthias Brunner mit seinem Team die Temperatur von 23 sonnenbestrahlten Bäumen mit und ohne schützenden Anstrich. Gemessen und ausgewertet wurde auf der Sonnenseite im Vergleich zur Schattenseite. «Den höchsten Wert von 52 °C registrierten wir bei einem unbehandelten Spitz-Ahorn. Die Versuchsreihe zeigt, dass der weisse Stammanstrich eine kühlende Wirkung hat, weil er die Einstrahlung reflektiert.» Der Baumexperte konnte belegen, dass die Rindenoberflächen mit Stammanstrich durchschnittlich 5 °C kühler waren als bei unbehandelten Bäumen.

Sonnenbrand bei Bäumen und seine Folgen

«Die Sonne schadet den Bäumen, wenn die dünne Rinde längere Zeit auf über 40 °C erhitzt wird. Das Dickenwachstum wird lokal geschädigt und es kommt zu einem Absterben und Aufplatzen der Rinde, weil Eiweisse bei Temperaturen ab 40 °C zerstört werden und damit der Enzymhaushalt nicht mehr funktioniert», weiss Matthias Brunner. Bei grossflächigen Rindenschäden, sogenannten Rindennekrosen, kann es zu Infektionen durch holzzerstörende Pilze kommen. Diese verursachen eine Holzfäule im Stamm. Sonnenbrandgeschädigte Bäume sind daher in späteren Jahren bruchgefährdet und können nie mehr ihre volle Vitalität entfalten. Vorsichtshalber sollten empfindliche junge Bäume an sonnenexponierter Lage deshalb generell angestrichen werden.

«Baumweissen» mit einem Kalkanstrich

Vor allem bei Obst- und Nussbäumen können auch Risse durch Kälte entstehen. Besonders im Frühjahr, wenn zwischen Tag und Nacht hohe Temperaturunterschiede herrschen, kann dies an der Südseite der Rinde zu Spannungen führen, welche später Risse bilden. Das sogenannte «Baumweissen» mit einem Kalkanstrich kann dem vorbeugen. Die Haltbarkeit dieser Anstriche liegt bei 3 bis 5 Jahren und es werden laufend neue Varianten entwickelt. Bestandteil dieser Kalkanstriche sind Tonmineralien, Kalk, Gesteinsmehl, natürliches Haftmittel und diverse Spurenelemente. Durch den Anstrich wird die Baumrinde gepflegt und elastisch gehalten. Dadurch entstehen bei Hitze und Kälte weniger Risse. Jungbäume werden stammumfassend vom Stammfuss bis zum Kronenansatz bemalt. Bei älteren, freistehenden Bäumen reicht ein Anstrich an der Südwestseite. Die Wuchs- und Schutzfunktion der Borke wird durch den Anstrich nicht beeinträchtigt. 

Der Anstrich sollte während der Pflanzung erfolgen bei Tagestemperaturen von über 10 °C und Nachttemperaturen von mindestens 5 °C. Der Stamm sollte dabei trocken sein. Um die Haltbarkeit zu verbessern, sollte die Rinde mit einer Bürste von Flechten, Moosen und losen Partikeln befreit werden. Eine Grundierung verbessert die Haftung und senkt den Verbrauch an Farbe. 

Nord-Süd-Ausrichtung beachten

Das Rindengewebe passt sich der natürlichen Sonneneinstrahlung an: Auf der Südseite bildet es mehr schützende Borkenstrukturen aus. Daher sollte man beim Verpflanzen von empfindlichen Solitärbäumen unbedingt darauf achten, dass der Baum am neuen Standort möglichst wieder mit derselben Ausrichtung wie zuvor gepflanzt wird. Weiterhin gilt es auch zu beachten, dass durch veränderte Lichtverhältnisse im Garten – etwa durch einen starken Rückschnitt der Krone oder das Fällen eines grossen Baums in der Nähe – auch ältere Bäume plötzlich gefährdet sein können. Buchen reagieren besonders empfindlich auf die plötzliche Freistellung. Selbst im hohen Baumalter kann es noch zu thermischen Rindenschäden kommen.

Alternative Schutzmatten

Alternativ zum Farbanstrich dienen Schilfrohr- und Bambusmatten oder Bandagen aus Jute als Schattenspender. Der bestmögliche Schutz vor Erwärmung wird erreicht, wenn die Matte locker um den Stamm angebracht und eine Hinterlüftung gewährleistet ist, wobei die Überlappung auf der Nordseite liegt. Die verwendeten Bindemittel müssen wegen der Gefahr des Einwachsens sukzessive gelockert werden. Lehm-Jute-Bandagen sind optisch unauffällig. Der Baumexperte gibt jedoch zu bedenken, dass sie zu höherer Feuchtigkeit und Kondensation führen und nicht so dauerhaft sind wie Schutzanstriche.

Stammrisse – was nun?

Zeigen sich am Stamm die ersten Anzeichen einer Schädigung, sollte dieser mit einer Matte oder noch besser mit einem Anstrich geschützt werden. Die Wunde wird seitlich von den Rändern her überwallt, doch das neue Rindengewebe ist dünner und empfindlicher als das ursprüngliche und somit schutzbedürftiger. Bei Linden und Ahornen können handtellergrosse, freiliegende Holzbereiche noch gut überwallen. Bei den Buchen hingegen bestehen oft keine reellen Behandlungschancen mehr.

  • Artikel von:
  • Zeitschrift «Schweizer Garten» (Kaspar Heissel)
  • Bildmaterial:
  • Zeitschrift «Schweizer Garten» (Kaspar Heissel, Matthias Brunner)