Dach

Dachbegrünung: mehr Natur und weniger Heizenergie

Grüne Flachdächer sind vielerorts Pflicht. Die Natur erhält vielfältige Lebensräume. Und Hausbesitzer sparen Energie zum Heizen, weil die Gebäudehülle dichter wird.

Eine intensive Dachbegrünung auf Wohnblöcken hilft Energie zu sparen
Begrünte Dächer helfen aktiv Energie sparen.
Das rosarote Knabenkraut, der blaue Natternkopf und die gelbe Hundskamille sind bedrohte Wildblumen: In freier Natur sind sie selten. Zum Glück kann die sensible Pflanzenwelt auch an ungewohnten Orten heimisch werden, wie etwa auf klein- und grossflächigen Dächern von Wohnhäusern und Geschäftsbauten. Dank der wissenschaftlichen Erkundung von Dachbegrünungen wissen wir: Bis zu 100 verschiedene Pflanzenarten besiedeln solche Standorte; und auch Insekten, Käfer oder Vögel entdecken die begrünten «Obergeschosse» als neuen Lebensraum. Die Fachstelle Stadtökologie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften konnte beobachten, dass sich sogar der Kiebitz auf begrünten Dächern ebenso wohlfühlt wie auf einer Blumenwiese.

Substratschicht nicht zu knapp

Doch die biologischen Erhebungen decken auch Mängel auf: Trotz anfänglicher Begrünung bleiben viele Dächer kahl und sind weder für die Natur noch für den Hausbesitzer ein Mehrwert. Häufig ist die auf der Dachhaut aufgetragene Substratschicht ungenügend mächtig, ergeben solche Nachforschungen. Ausser Moos oder Mauerpfeffer (Sedum) können hier weder Blumen noch Gräser ihre Wurzeln schlagen. Selbst für eine extensive Dachbegrünung wird eine Substrattiefe von 10 bis 15 Zentimetern empfohlen. Auf der Webseite der Schweizerischen Fachvereinigung Gebäudebegrünung sind Richtlinien und Mindestanforderungen dokumentiert. Weitere Anleitungen, Leitfäden oder Checklisten lassen sich über die Internetauftritte von Stadtbauämtern respektive Stadtökologiestellen kostenlos beziehen. 

Leicht geneigte Dachflächen

Denn so muss eine Dachbegrünung von unten nach oben aufgebaut sein, damit dieser Standort einen Beitrag für die natürliche Vielfalt leisten kann:

  • Trenn- und Wurzelschutzschicht: Dichtungsbahnen aus Bitumen schützen die darunterliegende Dachhaut vor Wurzeln; darüber werden weitere Schutzschichten aus Kunststoff gelegt.
  • Drainage- und Filterschicht: Ein wasserdurchlässiges Kunststoffvlies deckt geschüttetes, poröses Material ab.
  • Nährstoffarmes Substrat: eine 10 bis 15 Zentimeter dicke Schicht aus Mergel und Wandkies, aber nur wenig Humus zur extensiven Begrünung.

Begrünte Flachdächer kommen auch der Siedlungsentwässerung zugute: Die Sickerschicht verzögert den Abfluss von Regenwasser; gleichzeitig verhindert ein Gefälle von 2 bis 15 Grad, dass dieses Wasser nicht aufgestaut wird. Stärker geneigte Dächer benötigen dagegen Schwellen, um ein Abrutschen des Substrats zu verhindern. 

Gründach: zusätzliche Dämmschicht

Ein mustergültige Dachbegrünung erhöht nicht nur die Biodiversität oder puffert den Regenwasserabfluss, sondern leistet auch mikroklimatische Funktionen. Die Substratschicht dämmt die Gebäudehülle zusätzlich: Im Winter gegen den Wärmeabfluss von innen nach aussen und im Sommer gegen den Hitzeeintrag von aussen nach innen. Insofern hilft eine Dachbegrünung aktiv mit, den Energiehaushalt im Gebäude zu regulieren und den Heizenergiebedarf zu senken.

Welche Vorschriften zu beachten sind

Eine Dachbegrünung wird häufig ab einer gewissen Fläche verlangt, unter anderem in den Bauordnungen von Zürich, Basel oder St. Gallen. Andere Orte wie Luzern oder Bern fördern Gründächer finanziell, was sich gegenüber Hauseigentümern durchaus rechtfertigen lässt. Im Vergleich zu einem Kiesdach sind begrünte Dächer viel dauerhafter und verursachen einen geringeren Pflegebedarf. Und damit sich kein Hausbesitzer auf dem Dach vor die Wahl zwischen Orchideen und Solaranlage stellen muss, können auch sogenannte «Energiegründächer» bestellt und «angepflanzt» werden.

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