Energie, Strom und Beleuchtung

Virtueller Stromspeicher: Wie das Haus mitdenken kann

Eigenen Strom produzieren und selbst verbrauchen, funktioniert am besten mit einem kleinen Speicher. Der Betrieb solcher Batterien lässt sich optimieren, wenn sie mit Haushaltsgeräten und haustechnischen Anlagen zu einem «intelligenten Speichernetzwerk» zusammengeschlossen sind.

Eigenen Strom produzieren und selbst verbrauchen, funktioniert am besten mit einem kleinen Speicher.
Eigenen Strom produzieren und selbst verbrauchen, funktioniert am besten mit einem kleinen Speicher.

(pk) Die Physik bestimmt, was geht und was nicht: Im öffentlichen Stromnetz fliesst jederzeit genau so viel Strom, wie an den Verbrauchsstellen angefordert wird. Zum Beispiel im Privathaushalt: Wenn jemand seinen Geschirrspüler startet, muss gleichzeitig dieselbe Elektrizitätsmenge ins Netz eingespeist werden. Das ständige Auf und Ab im Tagesverlauf belastet das Netz. Die öffentlichen Stromversorger kümmern sich darum, diese Spannungsschwankungen durch ein optimales Lastmanagement auszugleichen. Erschwerend kommt dazu, dass die steigende Produktion von Strom aus Wind- oder Sonnenenergie vom Wetter abhängig ist und damit noch grössere Schwankungen verursachen kann.

Um die Balance im Netz herzustellen, kann entweder die Produktion von Strom erhöht, gespeicherte Energie bezogen oder der Verbrauch vor Ort angepasst werden. Auf übergeordneter Ebene stehen dafür Pumpspeicherseen bereit. Auf lokaler Ebene kommen derweil Hauseigentümer mit einer Photovoltaikanlage auf dem Dach ins Spiel: Mit einer zusätzlichen Batterie im Keller verbessern sie ihre eigene Versorgungsquote. So lässt sich der Strombedarf eines Haushalts für etwa einen halben Tag zwischenspeichern. Der willkommene Zusatzeffekt ist: Die Spannungsschwankung im öffentlichen Netz werden gedämpft.

Haustechnik als Energiemanager

Was für grosse Kraftwerke gilt, ist auch für die dezentrale Stromproduktion zu beachten. Der Verbrauch ist über eine sogenanntes «intelligentes Speichernetzwerk» zu steuern. Schon heute kann ein Energieversorger von aussen auf den Betrieb von haustechnischen Anlagen wie Wärmepumpen oder Nachtspeicherheizungen zugreifen und deren Start bis zu einer halben Stunde verzögern – wenn zu viel Strom angefordert wird. Ebenso werden gewisse Sperrzeiten für Warmwasserboiler oder Wärmepumpen festgesetzt.

Eigenverbrauch verdoppelt

Interessierte Hauseigentümer können mit externer Hilfe selbst tätig werden: Ein internes Netzwerk, das neben der PV-Anlage und der Batterie ebenso die Heizungsanlage, den Warmwasserspeicher, eine Waschmaschine oder eine Ladestation für Elektroautos umfasst, gleicht die Differenz zwischen Produktion und Eigenverbrauch so gut als möglich aus. Hauseigentümer profitieren dabei wirtschaftlich, weil das interne Energiemanagement den Eigenanteil beim Stromkonsum deutlich erhöht. In Forschungsprojekten wurde gezeigt, dass die Versorgungsquote von 30 auf 60 % erhöht werden kann.

Fernzugriff auf Haustechnik

Die Teilnahme an diesem virtuellen Speichernetzwerk wird mit zusätzlichen Dienstleistungen belohnt. Der Netzwerkanbieter Tiko ermöglicht den angeschlossenen Hauseigentümern, jederzeit und von überall her flexibel über das Handynetz auf die Haustechnik zuzugreifen. Beispielsweise kann man in den Ferien oder von unterwegs die Heizleistung reduzieren und so Einsparungen realisieren. Gleichzeitig erhält man rund um die Uhr Informationen zur Produktion und zum Stromverbrauch. Auch über Störfälle wird man als Netzwerkteilnehmer umgehend informiert.

Was es für die Teilnahme am intelligenten Speichernetzwerk ausser einer Solaranlage und einem Batteriespeicher braucht? Nicht viel mehr als ein smartes Steuerungsmodul im Stromverteilkasten, das von einem zertifizierten Elektroinstallateur installiert werden muss. Dieses Modul dient dazu, die Spannungsschwankung im Stromnetz auszugleichen und dabei den Betrieb der angeschlossenen Heizung allenfalls kurzfristig zu übersteuern. Das individuelle Heizprogramm wird für kurze Zeit ausgesetzt und sobald als möglich wieder fortgesetzt. Verschiebungen im Heizzyklus von etwa 30 Minuten sind für die Bewohner nicht spürbar. Dass ein Hauseigentümer dank dem intelligenten Speichernetzwerk jedoch mehr eigenen Strom konsumiert, anstelle teuren Strom vom Energieversorger einzukaufen, fällt in den Abrechnungen jedoch unmittelbar auf. 

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