Grundriss & Raumplanung

Barrierefrei wohnen: So gestalten Sie Ihre Zukunft

Damit das frische Eigenheim oder die neue Eigentumswohnung eine komfortable Bleibe auf lange Sicht wird, sind allfällige bauliche Hindernisse frühzeitig auszuräumen. Barrierefreies Bauen ist – auch ohne gesetzliche Verpflichtung – eine Investition in die eigene Wohnzukunft.

Vorausschauend: ein Lift ergänzend zur Treppe oder barrierenfreies Bauen
Wer die Möglichkeit hat, sich sein Eigenheim so zu gestalten, dass er es auch bei veränderten Familienverhältnissen, im Alter oder im Falle einer Behinderung bewohnen kann, sollte diese Chance nutzen.

(pk) Treppen steigen, um ins Home-Office zu gehen, sich bücken und strecken beim Putzen oder hinknien, um etwas zu verstauen. Im Wohnalltag bewegt man sich vielfältig und oft; im jungen Alter und bei gesunder Verfassung hält man sich so fit und denkt, kaum darüber nach, dass der gewohnte Bewegungsradius nicht selbstverständlich ist. Zwar sind die eigene Wohnung und der öffentliche Raum gespickt mit kleinen, baulichen Hindernissen. Aber eben: Unter normalen, aber durchaus privilegierten Umständen, lassen sich solche Hürden scheinbar gedankenlos überwinden.

Keine Selbstverständlichkeit ist dies für Menschen mit körperlicher Beeinträchtigung und Seniorinnen und Senioren. Auch wenn man selbst mit Kinderwagen oder viel Gepäck unterwegs ist, lauern plötzlich überall Stolperfallen und enge Durchgänge, auch in den eigenen vier Wänden. Im öffentlichen Raum und im Wohnungsbau gelten deshalb Regeln, wie ein hindernisfreies Umfeld zu gestalten ist. Auf Bundesebene gibt das Gesetz zur Gleichstellung von Behinderten (BehiG) die Mindeststandards vor; die Kantone dürfen weitergehen. Generell zu beachten ist jedoch die Norm «Hindernisfreie Bauten» des Schweizerischen Ingenieur- und Architektenvereins (SIA 500).

Stolperfallen vermeiden

Eigenheime sind von diesen Vorgaben zwar ausgenommen; doch zur langfristigen Nutzung von Wohneigentum wird ein barrierearmes Bauen ebenso empfohlen. Bei frühzeitiger Planung vermeidet man zudem allfälligen Mehraufwand respektive umgeht einen späteren, mühseligen Umbau. Was für eine hindernisfreie Architektur zu beachten ist, wird von Interessensorganisationen und Baufachverbänden umfassend dokumentiert. Bei Bedarf können regionale Fachstellen zur Beratung beigezogen werden. Um möglichst hindernisarm wohnen zu können, ist jedoch auf folgende Aspekte besonderer Wert zu legen:

  • Stufenloser und treppenfreier Zugang zum Wohnobjekt,
  • Keine Schwellen in der Wohnung, auch nicht beim Zugang zum Balkon,
  • Zonen mit grosszügiger Bewegungsfläche und grossen Drehradien, um die Bewegungsfreiheit mit Rollstuhl, Rollator oder Kinderwagen zu verbessern,
  • Breite Durch- und Zugänge im Flur oder Bad,
  • Flexible, anpassbare Kücheneinrichtung mit unterfahrbaren Arbeitsplatten und Spülbecken sowie höhenverstellbaren Oberschränken,
  • Badezimmer mit unterfahrbarem Waschbecken, bodenebener und grossflächiger Dusche,
  • Steuerung von Haustechnik, Gebäudeautomation und Beleuchtung über zentrale Bedienungseinheit, Installation von Steckdosen, Schaltern und Displays auf gut erreichbarer Höhe,
  • Aufzug für vielgeschossigen Wohnraum.

Smarte Zusatzhilfen

Die Haustechnik und die Gebäudeautomation können zusätzlich dazu beitragen, sich im Wohnalltag hindernisfrei und komfortabel einzurichten. Dank speziell konfigurierbarer Smart Home-Systeme lassen sich Heizung, Beleuchtung oder Haushaltsgeräte aus der Distanz bedarfsgerecht steuern. Selbst die Kaffeemaschine, der Kühlschrank, der Backofen oder der Kochherd sind über eine Fernsteuerung programmierbar. Von solchen Erleichterungen profitieren Menschen mit und ohne Handicap gern, falls die entsprechende Infrastruktur in Form einer Verkabelung eingebaut ist.

Nachträglicher Einbau ist teurer

Mit Blick auf die eigene Wohnzukunft lohnt sich also ein vorausschauendes Planen. Denn ein nachträgliches Entfernen allfälliger Hindernisse wird erheblich teurer als das altersgerechte und barrierefreie Bauen von Anfang an. Die Zusatzkosten dafür sind je kleiner, umso früher man daran denkt. Eine nationale Studie ergab schon vor Jahren: Im Durchschnitt liegt der Mehraufwand bei unter zwei Prozent der Gesamtbausumme.

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