Blumen und Pflanzen

Der Garten im Herbst

Auch im Spätherbst ist das Gartenjahr noch nicht vorbei: Jetzt beginnt die Saison der bunten, leuchtenden Herbstpflanzen. Die Vielfalt an Farben, Formen und Strukturen ist nie so gross wie jetzt.

Herbstdekoration mit Beeren und Kastanien
Bunte Herbstdekoration
I m März können wir Gärtnerinnen und Gärtner es kaum erwarten, endlich loszulegen. Spätestens Ende August weicht die Euphorie dann einer matten Müdigkeit. Der Garten fällt optisch auseinander, Beikräuter säumen die Beete – «na und?», denken wir uns, während wir uns auf dem Sofa zur Seite drehen. Dabei braucht der Garten gerade jetzt unsere volle Aufmerksamkeit und Liebe, damit er noch einmal aufleben kann. Mit leuchtenden Beeren, filigranen Gräsern, kontrastreichen Blattformen und -farben und einer Vielzahl von Früchten und malerischen Fruchtständen birgt der Herbstgarten spannende Möglichkeiten, um den Aussenraum abwechslungsreich zu gestalten. Ein sonniger Herbsttag ist die beste Zeit für einen Rundgang durch den Garten. Notieren Sie, welche Bereiche Ihnen nicht mehr gefallen. Der Countdown zur Umgestaltung läuft!

Perlen und Laternen

Es gibt viele staudige Pflanzen, die sich derzeit mit leuchtenden Beeren und Fruchtständen schmücken. Die meisten von ihnen sind Halbschatten- oder Schattenpflanzen und bevorzugen einen feuchten Boden. Ursprünglich waren sie in Wäldern, Schluchten oder an beschatteten Abhängen beheimatet, wo das Licht für eine späte Blüte fehlt. Deshalb sind diese Stauden bis zum Herbst mit auffallend zierendem Fruchtschmuck bestückt. Der Fruchtstand enthält meist einen bitteren oder gar giftigen Stoff in seinem bunt gefärbten Fruchtfleisch, das den Samen umgibt. Gerade diese Samenhüllen sind es, die nach der Blüte, umgeben vom herbstlich gefärbten Laub, für einen attraktiven Blickfang im Garten sorgen. Aufrecht aus den Blättern erheben sich die Fruchtperlen der Christophskräuter, etwa der leuchtend rote Schmuck von Actaea rubra an filigran verzweigten Trieben. Die blau-schwarzen Beeren des Schirmblatts (Diphylleia cymosa) präsentieren sich wunderbar auf ihren hohen, rot gefärbten Stielen. Einige dieser Stauden mit Fruchtschmuck kommen am besten als Solitär in Einzelstellung zur Geltung, andere sind gute Bodendecker und lassen sich ideal in Gruppen vergesellschaften. Die Lampionblume (Physalis alkekengi var. franchetii) neigt gar zum Wuchern. Man pflanzt sie am besten im Wurzelbereich von Sträuchern, damit der Wurzeldruck sie in Schach hält. 

Zeit der bunten Blätter

Wunderbar, wie die Blätter behutsam erröten! Sie schaukeln sich immer mehr auf, bis Ende Oktober ein übermütiges, kunterbuntes und fröhliches Treiben herrscht, dem man sich nicht entziehen kann. Es gibt zahlreiche Pflanzen mit aussergewöhnlichen Herbstfärbungen, die eine Lücke im Garten gut füllen: etwa Amberbaum (Liquidambar), Fächertanne (Ginkgo) oder Fächer-Ahorn (Acer palmatum). Wenn man sich erst einmal auf das Thema «Spätherbstgarten» einlässt, stellt man schnell fest, dass es keinen Grund für Trübsal gibt. So zeigen sich nun der Kanadische Judasbaum (Cercis canadensis ‘Forest Pansy’), Flügel-Spindelstrauch (Euonymus alatus) und der Lebkuchenbaum (Cercidiphyllum japonicum) zusehends im herbstlichen Gewand und setzen im richtigen Licht das Beet in Flammen – die Sorte ‘Rotfuchs’ bleibt schmal und klein, die Blätter dieses Lebkuchenbaums sind zudem dunkler gefärbt und kräftiger. Ein weiterer Strauch mit herrlich roter Herbstfärbung ist die Zaubernuss (Hamamelis x intermedia ‘Diane’). Auch bei den Blattstrukturen ist das Pflanzensortiment sehr breit. Zu den Blattschmuckstauden mit attraktiv gefärbtem oder gezeichnetem Laub gehören etwa Wolfsmilch (Euphorbia), Purpurglöckchen (Heuchera), Gewürzsalbei (Salvia officinalis), Bergenie (Bergenia), Himmelsbambus (Nandina domestica), Stacheldrahtpflanze (Calocephalus) und verschiedene Arten der Lavendelheide (Pieris). Auch der heimische Storchschnabel (Geranium pratense) verwandelt sein ehemals grünes Blattwerk nun in eine anmutig tiefrote Farbenpracht.

Die Terrasse dekorieren

Der Gartentisch wird zur Bühne für saisonale Dekorationen, Laternen und Fundstücke aus der Natur. Nebst den Sommer- und Herbstblühern gibt es eine grosse Auswahl an Pflanzen, die sowohl den Frösten trotzen als auch im kalten Winter einen erfreulichen Anblick bieten. Eine dauerhafte Grundbepflanzung für Gefässe kann aus Gehölzen, Stauden oder Ziergräsern bestehen. Dazu gesellen sich Zier-Kohl (Brassica oleracea), Garten-Chrysantheme (Chrysanthemum indicum), Silber-Greiskraut (Senecio cineraria) oder Günsel (Ajuga). Eine richtige Pracht bei den beerentragenden Pflanzen ist die Scheinbeere (Gaultheria procumbens). Sie trägt unzählige rote Beeren, die jedoch nicht essbar sind. Bunte Akzente kann man auch mit Schönfrucht (Callicarpa), Aukube (Aucuba japonica), Stechpalme (Ilex), Schneebeere (Symphoricarpos), Skimmie (Skimmia japonica ‘Rubella’) oder Torfmyrte (Gaultheria mucronata) setzen. Ein gemütlicher Holzstuhl macht das Stillleben komplett und ist der ideale Ort, um eine Tasse Tee zu trinken. Im Oktober ist Genuss angesagt, denn es gibt nicht mehr so viel zu tun, wenn man von der Ernte und dem Blumenzwiebelstecken absieht.

Dauerhafter Winterschmuck

Ergänzende Farben bringen Trockenblumen und, ganz nach Geschmack, Dekomaterialien wie Zierkürbisse oder Maiskolben. Viele Fruchtstände lassen sich trocknen und beflügeln die Fantasie. Wer den Fruchtstand der Skabiosen-Flockenblume (Centaurea scabiosa) aus der Nähe betrachtet, entdeckt nach dem Herausfallen der Samen eine hellbraune Korbblüte mit leicht gekrausten, wunderbar schimmernden «Zungenblüten». Ebenso zauberhaft ist der Samenstand von Hauswurz (Sempervivum): ein Mini-Kandelaber, besetzt mit perfekt geformten Fruchtsternchen. Die Fruchtstände kann man ent­weder im Garten stehen lassen und sich darauf freuen, dass sie bald mit Raureifkristallen und Schneehäubchen geschmückt werden. Oder man holt die fantasievollen Formen ins Haus und verarbeitet sie nach dem Trocknen zu individuellen Gestecken oder Sträussen. Wer es bunter mag, fügt einzelne getrocknete Blüten hinzu.

Blühende Herbstpflanzen

Das Sortiment an blühenden und den Winter überdauernden Herbstpflanzen ist jetzt natürlich nicht mehr so gross wie im Frühjahr oder Sommer. Am buntesten sind klassische Stiefmütterchen (Viola witt­rockiana) und Horn-Veilchen (V. cornuta). Nicht fehlen dürfen Garten-Chrysan­the­men (Chrysanthemum indicum), die mit ihrer Leuchtkraft den Sommer nochmals aufleben lassen. An geschützten Stand­orten stehen sie besonders lange. Das unermüdliche violette Patagonische Eisenkraut (Verbena bonariensis) und die grossen Blütenteller der Fetthenne (Sedum) locken jetzt die nach Nektar suchenden Schmetterlinge magisch an. Der grösste Teil der einheimischen Wildstauden blüht vom Frühling bis zum Sommer. Die Natur überrascht uns aber immer wieder mit Ausnahmen – auch in der Schweizer Flora sind Dutzende bis in den Herbst blühende Arten zu finden. Alle noch aktiven Bienen und Hummeln schätzen dieses Angebot sehr. Der Teufelsabbiss (Succisa pratensis) zeigt seine kugelförmigen blauen Blüten oft bis in den Oktober hinein. Er bevorzugt eher feuchte Standorte, gedeiht aber auch problemlos in jedem normalen Gartenboden an halb­schattiger Lage. Für den sonnigen, eher trockenen Standort ist die einheimische Goldhaar-Aster (Aster linosyris) vom Spät­sommer bis zum Herbst ein Farbgarant am Ruderalstandort. Einige dauerblühende Arten wie die Grossblütige Braunelle (Prunella grandiflora) oder die Tauben-Skabiose (Scabiosa columbaria) entzücken uns bis in den November hinein mit einer reichen Nachblüte. Später kommen Christ­rosen (Helleborus niger) mit ihren wunderschönen weissen Blüten dazu. Etwas dezenter, aber nicht minder attraktiv blüht die winterharte Schnee­Heide (Erica carnea) in den Farben Rot, Rosa und Weiss.

Gräserskulpturen

Ganz verrückt sind wir nach Gräsern, bezaubernd ist derzeit vor allem das Orientalische Lampenputzergras (Pennisetum orientale ‘Tall Tails’). Es bringt über Monate rosa Blüten hervor und benötigt einen langen, warmen Sommer, um seine ganze Schönheit zu entfalten. Es sieht übrigens auch im Topf genial aus. Filigrane Gräser wie das einheimische Rohr-Pfeifengras (Molinia arundinacea) mit seiner goldgelben Herbstfärbung oder das immergrüne Waldschmielen-Gras (Deschampsia) wiegen ihre Halme im Glanz der abendlichen Sonnenstrahlen, umgarnt von Spinnennetzen, die am nächsten Morgen mit Hunderten Tautropfen besetzt sind. Hochwachsende, standfeste Gräser wie Rispenhirse (Panicum) oder Chinaschilf (Miscanthus) können wir jetzt mit einer starken Hanfschnur fest zu Büscheln zusammenbinden. Einfach bis dreifach zusammengebunden oder sogar gezöpfelt: Solche Gräserskulpturen verzaubern den Garten mit einem Quäntchen Humor und sorgen in den leer wirkenden Beeten für Struktur. Die trockenen Gräserhorste bieten zudem Unterschlupf für Kleintiere. Sobald im Frühling der neue Austrieb sichtbar wird, bleibt noch genügend Zeit, um die Gräser zurückzuschneiden. Heimische Gräser sind ausserdem Futterpflanzen für die Raupen einiger Falterarten.

Kreativ einwintern

Wie der Frühlingsputz im Haus, so ist auch das spätherbstliche Aufräumen im Garten eine traditionelle Angelegenheit. Der Übergang von der dritten zur vierten Jahreszeit gibt uns die Möglichkeit, den Garten mit zwei, drei Pflegedurchgängen für den Winter fit zu machen. Doch leider räumt so mancher Gartenbesitzer alles, was nur ein wenig trocken aussieht, bis in den hintersten Winkel des Gartens ab. Das ganze wertvolle organische Material landet dann in der Grün­tonne. Eigentlich schade, denn mit etwas Kreativität kann neben dem Abräumen einiges, was zwar verblüht, jedoch noch standfest ist, einfach stehen gelassen oder auch mal aufgebunden werden. Wir erhalten dadurch schöne Winterbilder mit attraktiven Samenständen, die sich erst an den ersten Frosttagen mit Raureif überzogen in ihrer ganzen Schönheit offenbaren. In einem naturnah gepflegten Garten sollten wir bei unserer Aufräumaktion unbedingt daran denken, dass wir viele Kleintiere beherbergen, die sich für den Winter ein geschütztes, wohliges Plätzchen einrichten: ein Asthaufen für den Igel, Laubhaufen für den Bergmolch und die Kröte sowie trockene Blütenstängel und stehen gelassene Wiesenstreifen für Wildbienen und Schmetterlingslarven. Bei Biotopen und Teichen macht das Abräumen von abgestorbenem Pflanzenmaterial allerdings Sinn – wir verhindern damit die Verlandung und das totale Zuwachsen der Wasseroberfläche. Und auch an Ruderalstandorten, die auch in Zukunft eher mager bleiben sollen, ist ein sanftes Wegräumen von trockenem Pflanzenmaterial jetzt angebracht.

Natürliches Vogelfutter

Sobald die Stängel der Samenstände am Ansatz trocken sind, können wir die reifen Samen ernten. Um das Volumen zu reduzieren, werden die Samen mit einem Sieb oder durch vorsichtiges Reiben oder Ausblasen von der Spreu getrennt. Dies hilft auch, allfällige Pilzsporen und Krankheitskeime weitestgehend zu reduzieren. Die Samen werden in einem lufttrockenen, eher kühlen und vor allem mäusesicheren Raum aufbewahrt, bis wir sie im Frühling wieder aussäen. Für eine längerfristige Lagerung ist es wichtig, das Saatgut vor Licht, Luft, Wärme und Feuchtigkeit zu schützen – gut trockenes Saatgut kann sogar eingefroren werden. Die mit Samen gefüllten Samenstände vieler Blütenstauden, wie die von Wegwarte (Cichorium intybus), Distel (Carduus), Wilder Möhre (Daucus carota subsp. carota) oder Wiesenknopf (Sanguisorba) sind aber auch eine willkommene Nahrungsquelle für Meisen und Finken. Es ist immer eine grosse Freude, zu beobachten, wie der bunte Distelfink (Stieglitz) mit grosser akrobatischer Leistung kopfüber an den Samenständen herumturnt, um an die natürliche Nahrung heranzukommen. Distelfinken ziehen meist ab Herbst in kleinen Schwärmen durch die hiesige Landschaft und gehören zu den traditionellen «Körnlipickern» unserer heimischen Vogelarten. Der Herbst ist Erntezeit für Mensch und Tier. Ob die Samenstände der Blumen, Wildobst wie Aroniabeeren und Hagebutten oder Früchte aus dem Hausgarten: Sie stellen eine wertvolle Winternahrung für Tiere dar, weshalb eine umsichtige Ernte besonders wichtig ist.

  • Artikel von:
  • Schweizer Garten, hausinfo
  • Bild:
  • Rachele Z. Cecchini